Studien bezüglich der Hormonersatztherapie

Wenn es um das Thema Hormonersatztherapie geht, dann zeigen sich viele Frauen verunsichert. Diese Verunsicherung basiert in den meisten Fällen auf früheren Studien, laut denen die Hormontherapie mit diversen Gesundheitsrisiken verbunden ist. So hat eine im Jahr 2002 veröffentlichte umfangreiche Studienreihe aus den USA ergeben, dass Frauen, bei denen eine Hormontherapie angewendet wird, ein höheres Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Thrombose und Brustkrebs haben.

Inzwischen gibt es aber zahlreiche neue Studien, die belegen, dass sich eine Hormontherapie in den Wechseljahren keineswegs negativ auf die Gesundheit der Frau auswirken muss.

Neue Studie liefert neue Erkenntnisse

Die Forschungsergebnisse hinsichtlich von Nutzen und Risiko bezüglich einer Hormonersatztherapie sind schon seit ein paar Jahren nicht mehr so einseitig, wie zu Zeiten der Studienergebnisse aus dem Jahr 2002.

Inzwischen weiß man, dass die Risiken einer Hormontherapie bei Frauen im Klimakterium deutlich geringer sind als bisher angenommen.

 

Langzeitstudie mit 1.000 Frauen

frauIn Dänemark wurde eine Langzeitstudie durchgeführt, die über 16 Jahre lief. An dieser Studie haben etwas mehr als 1.000 Frauen teilgenommen. Die Frauen waren in einem Alter zwischen 45 und 58 Jahren.

Die letzte Menstruation der Frauen lag nicht länger als ein paar Monate zurück und sie litten teilweise unter den typischen Wechseljahresbeschwerden.

Bei ihnen wurden keine Grunderkrankungen diagnostiziert. Wobei bei einem Teil der Frauen, die in einem Alter zwischen 45 und 52 Jahren waren, die Gebärmutter bereits entfernt war. Ihrem Hormonstatus zufolge befanden auch sie sich in der Menopause.

Wie in einer Studie üblich, wurden die Probandinnen in eine Behandlungsgruppe und in eine Kontrollgruppe eingeteilt. Die Behandlungsgruppe nahm an einer Hormonbehandlung teil, während die Kontrollgruppe keine Hormone bekam.

 

Ergebnisse, die Hoffnung machen

Nach einer Laufzeit von zehn Jahren kam die Studie zu Ergebnissen, die Frauen mit Wechseljahresbeschwerden Hoffnung machen. Denn bei den Frauen, die mindestens fünf Jahre an einer Hormonbehandlung teilgenommen hatten, wurde kein erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen, Krebserkrankungen oder Schlaganfälle festgestellt. Ganz im Gegenteil.

Die Studie hat ergeben, dass Frauen, die an der Hormonbehandlung teilgenommen haben, deutlich seltener einen Herzinfarkt bekamen als die Frauen in der Kontrollgruppe. Auch wurden bei ihnen weniger Herzerkrankungen festgestellt.

Das Risiko für Krebserkrankungen war im Vergleich mit Frauen ohne Hormontherapie nicht erhöht. Gleiches gilt für das Thrombose- und Schlaganfallrisiko.

Die Studienergebnisse haben sich nach einer Gesamtlaufzeit von 16 Jahren noch einmal bestätigt.

Möglichst früh mit der Hormontherapie beginnen

Der Grund für diese positiven Studienergebnisse liegt laut den Forschern vor allem an dem frühzeitigen Beginn der Therapie.

Rückblick:

Bei der US-amerikanischen Studie aus dem Jahr 2002 betrug das Durchschnittsalter der Probandinnen 64 Jahre. Zudem lag die letzte Menstruation der Frauen im Durchschnitt schon etwa zehn Jahre zurück.

Bei der neuen Studie aus Dänemark lag das Durchschnittsalter der Probandinnen bei 50 Jahren. Bei ihnen lag die letzte Menstruation im Schnitt nur sieben Monate zurück.

Bei den Frauen in der neuen Studie wurde demnach viel zeitiger mit der Hormontherapie begonnen. Als Schlussfolgerung daraus können die Experten nun durchaus behaupten, dass eine Hormontherapie eine gute Alternative für Frauen mit Wechseljahresbeschwerden ist, wenn rechtzeitig damit begonnen wird. Insbesondere Frauen, die relativ jung mit der Therapie begonnen haben, können von ihr profitieren. Das gilt besonders in Hinblick auf Herz-Kreislauferkrankungen.

Übrigens: die im Jahr 2002 veröffentlichte Studie zur Hormontherapie wurde im Nachhinein noch einmal ausgewertet. Hierbei wurden vor allem die Untersuchungsergebnisse der Frauen unter 60 Jahren betrachtet. Dabei hat sich herausgestellt, dass sich die Behandlung mit den Hormonen bei ihnen ebenfalls mehrheitlich positiv ausgewirkt hat.

Verträgliche Hormone

Die unterschiedlichen Studienergebnisse basieren auch auf der Art und Dosierung der verabreichten Hormone. Bei der neueren Studie wurden den Frauen in der Behandlungsgruppe niedrig dosierte, gut verträgliche Hormonpräparate verabreicht als in der älteren US-Studie.

Hormonersatztherapie oder pflanzliche Präparate?

frau wecheljahreViele Frauen, die unter klimakterischen Beschwerden leiden, entscheiden sich gegen eine Hormonersatztherapie und für eine Behandlung mit pflanzlichen Präparaten. Diesen sogenannten Phytoöstrogenen wird nachgesagt, dass sie sich ähnlich positiv auf Wechseljahresbeschwerden auswirken wie Hormonpräparate.

Experten sehen das jedoch nicht so. So greifen viele Frauen aufgrund von Hitzewallungen oder Schweißausbrüchen gerne zu Isoflavonen.

Dieser Wirkstoff kann in Form von Nahrungsergänzungsmitteln aufgenommen werden. Isoflavone können aber auch durch die Nahrung aufgenommen werden. Sie sind zum Beispiel in Soja-Produkten zu finden.

Bei verschiedenen Untersuchungen wurde herausgefunden, dass Phytoöstrogene meist nicht besser abschneiden als Placebos (Präparate ohne Wirkstoff). Auch sind sich die Experten einig, dass Phytoöstrogene zur Linderung starker klimakterischer Beschwerden nicht geeignet sind.

In einigen Versuchsreihen wurde beispielsweise die Wirksamkeit von Leinsamen und Traubensilberkerze gegen Beschwerden wie Schlaflosigkeit, Hitzewallungen oder Schweißausbrüchen getestet.

Bei diesen Untersuchungen hat sich gezeigt, dass die Probandinnen aus der Behandlungsgruppe und aus der Kontrollgruppe (Placebo-Gruppe) ähnliche Ergebnisse dokumentiert haben. In der Regel wurde kaum eine Besserung der Beschwerden festgestellt.

Die Experten sehen die Behandlung mit Phytoöstrogenen daher nicht als Alternative zur klassischen Hormontherapie. Insbesondere bei starken Wechseljahresbeschwerden wirkt eine Hormontherapie besonders zuverlässig.